Essstörungen

Wenn die Seele zu ‚verhungern‘ droht

Essen ist nicht nur Nahrung für den Körper, sondern auch für die Seele. Essen kann Genuss und Sinnlichkeit sein. Oder – bei einer Essstörung – genau das Gegenteil: Die Seele droht zu ‚verhungern‘, obwohl sich alle Gedanken nur noch ums Essen drehen. Betroffene einer Essstörung regulieren in der Regel schwer aushaltbare Gefühle, Anspannung oder zwischenmenschliche Schwierigkeiten über das Essverhalten. Meist ist das Selbstbild verzerrt, der eigene Körper wird sehr negativ beurteilt und Gewicht und Figur nehmen einen übermäßigen Einfluss auf den Selbstwert.

Drei wesentliche Störungsbilder: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung

Die gängigen Diagnoseschemata nach DSM-5 und ICD-10 unterscheiden drei verschiedene Krankheitsbilder. Die Betroffenen einer Anorexie (Anorexia nervosa) leiden unter Untergewicht, wobei dieses entweder durch sehr restriktives Essen oder durch aktive Maßnahmen wie exzessiver Sport, Erbrechen oder der Missbrauch von Abführmitteln herbeigeführt wurde. Trotz ihres Untergewichts fühlen sich die Betroffenen in der Regel zu dick (Körperschemastörung) und haben große Angst davor, zuzunehmen. Der Übergang zur Bulimie (Bulimia nervosa) ist oft fließend. Hauptsymptomatik dieser Erkrankung sind Heißhungeranfälle und ein anschließendes gegenregulierendes Verhalten. Das kann Erbrechen, aber auch ein exzessives Sportpensum sein. Das Gewicht der Betroffenen bewegt sich meist im Normalbereich, was dazu beiträgt, dass die Erkrankung oft jahrelang geheim gehalten werden kann. Die Binge-Eating-Störung ist ebenfalls durch Essanfälle gekennzeichnet, jedoch ohne gegenregulierende Maßnahmen, was in der Regel zu einer Gewichtszunahme führt. Die Essanfälle sind sowohl bei der Bulimie als auch bei der Binge-Eating-Störung häufig mit starken Scham- und Schuldgefühlen verbunden, die die Betroffenen sehr quälen.

Wie kommt es zu einer Essstörung?

Die Entwicklung einer Essstörung wird meist durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren bedingt. Dazu gehören biologische Aspekte (genetische Faktoren, Heißhunger als natürliche Reaktion auf eine restriktive Ernährung), soziale und soziokulturelle Faktoren (Familie, Beziehungen, Umgang mit den Themen „Essen“ und „Figur“ im sozialen Umfeld, Bedeutung von Schönheitsidealen) ebenso wie psychologische Faktoren (niedriger Selbstwert, hohes Kontrollbedürfnis, Schwierigkeiten beim Umgang mit Emotionen). Zudem berichtet ein Teil der Betroffenen von emotionalem und/ oder sexuellem Missbrauch in der Kindheit und Jugend.

So behandeln wir Essstörungen

Verhaltenstherapie, die Ihre persönliche Geschichte berücksichtigt

Ebenso vielfältig wie die Ursachen einer Essstörung sind unsere Therapiebausteine. Die Grundlage bildet die verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), deren Wirksamkeit für die Behandlung von Essstörungen gut belegt ist. Zudem legen wir großen Wert darauf, die biographischen Aspekte, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Essstörung beigetragen haben, herauszuarbeiten und in die Therapie zu integrieren.

 

Intensive Einzel- und Gruppentherapie

Die Behandlung in unserem Setting für Essstörungen findet in einer geschlossenen Kleingruppe von 8 Personen über eine Dauer von 12 Wochen statt, wobei in dieser Gruppe alle drei Störungsbilder (Anorexie, Bulimie, Binge-Eating) vertreten sind.

Die Einzeltherapie, die zweimal pro Woche stattfindet, wird durch verschiedene psychotherapeutische und nonverbale Gruppentherapien ergänzt. Zu unserem Therapiekonzept gehören eine Basisgruppe, die insbesondere der Psychoedukation dient, eine Skillsgruppe, in der Sie Fertigkeiten zum Umgang mit Anspannung, starken Gefühlen und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten erlernen sowie eine Essgruppe, in der es um das Erlernen einer adäquaten Mahlzeitenstruktur geht. Zudem erhalten Sie täglich ein therapeutisch begleitetes Frühstück- und Mittagessen und nehmen einmal pro Woche an einer Kochgruppe teil. Ergänzt wird unser Therapiekonzept durch Achtsamkeits-, Körper-, Bewegungs- und Kunsttherapie.

 

Kooperation mit dem Therapienetzwerk Essstörung (TNEss)

Die KIRINUS Tagesklinik Schwabing kooperiert mit dem Therapienetzwerk Essstörung, weitere Infos finden Sie auf der Website www.therapienetz-essstoerung.de