Innovative Behandlung

Borderline

Wenn Gefühle nicht zu steuern sind

Wer von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen ist, hat Schwierigkeiten mit der Steuerung von Gefühlen. Diese führen neben einem impulsiven Verhalten zu einer ausgeprägten Instabilität von Stimmung, Selbstbild und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Etwa 3 % der Bevölkerung sind Borderliner. Die Probleme treten meist ab der Jugend oder dem frühen Erwachsenenalter auf. Neben einer genetischen Veranlagung finden sich oft Vernachlässigung oder Gewalterfahrungen in der Lebensgeschichte der Betroffenen.

Teufelskreis der Anspannung

Das Leitsymptom ist meist eine starke, plötzlich auftretende Anspannung. Um diese Anspannung zu reduzieren, greifen die Betroffenen oft auf kurzfristig wirksame, aber langfristig schädliche Verhaltensweisen zurück, wie beispielsweise Selbstverletzung, suizidale Impulse, Alkoholkonsum oder Essanfälle, die sich wiederum negativ auf Stimmung, Selbstbild und Beziehungen auswirken. So entsteht ein Teufelskreis mit steigendem Leidensdruck, der häufig zu wiederholten Abbrüchen von Beziehungen oder auch Arbeitsverhältnissen führt und aus dem viele ohne therapeutische Unterstützung nur schwer herauskommen.

So behandeln wir Borderline

Störungsspezifische Verhaltenstherapie

Wir behandeln Borderline-Patienten basierend auf der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT). Die Wirksamkeit der von der US-amerikanischen Psychologin Marsha M. Linehan, die früher selbst an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung litt, entwickelten störungsspezifischen Therapie konnte in zahlreichen Studien nachgewiesen werden. DBT gilt heute als die wirksamste Methode zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen.


Dialektik als Leitgedanke

Der zentrale Gedanke des verhaltenstherapeutischen Ansatzes der DBT ist die „Dialektik“, also die Vereinbarung scheinbarer Gegensätze. So soll zum einen das Akzeptieren der Realität und der gegenwärtigen Probleme vor dem Hintergrund ihrer Entstehungsgeschichte erreicht werden. Dafür liegt ein wesentlicher Fokus der Therapie auf dem Thema „Achtsamkeit“. Zum anderen geht es darum, die Schwierigkeiten und langfristig oft schädlichen Verhaltensweisen zu überwinden.

Dabei helfen sogenannte Skills, die im Rahmen der Therapie erarbeitet werden. Zunächst erlernen Sie sogenannte Hochstress-Skills, die Ihnen für Situationen starker Anspannung alternative Verhaltensweisen an die Hand geben (beispielsweise die Anwendung von starken Sinnesreizen wie Chilischoten oder einem Igelball statt der Selbstverletzung). In weiteren Schritten werden hilfreiche Strategien zum Umgang mit Gefühlen, zur Stabilisierung des Selbstwertgefühls und zur Verbesserung zwischenmenschlicher Fertigkeiten erlernt.


Experte für die eigene Erkrankung werden

Darüber hinaus erfolgt in der „Basisgruppe“ eine ausführliche „Psychoedukation“, also die Vermittlung von Hintergrundwissen zum Störungsbild – und damit zum eigenen Krankheitsbild. Viele Patienten finden in den nonverbalen Therapieangeboten wie Kunst-, Körper- und Sporttherapie parallel zu den gesprächsbasierten Angeboten nochmals einen tieferen Zugang zu ihren Gefühlen.

In der Einzelpsychotherapie, die zweimal wöchentlich stattfindet, werden die Therapieziele und ‑inhalte regelmäßig überprüft und mit den Gruppentherapien abgestimmt. Dafür findet zu Beginn der zwölfwöchigen Therapie eine Fallkonferenz statt, in der Patient und Behandlungsteam Ziele und Behandlungsschwerpunkte besprechen.


Nachweislich wirksam

Wir bieten mit der DBT eine störungsspezifische, nachweislich wirksame Therapie an, die Sie in Ihrem Wunsch nach Veränderung auf Augenhöhe und mit aufeinander abgestimmten Behandlungsmodulen sowie klaren Regeln unterstützt. Gleichzeitig setzt die DBT auf die Motivation, Mitarbeit und Eigenverantwortung jedes Einzelnen, damit Sie auch nach Abschluss der teilstationären Behandlung die erreichten Fortschritte weiter ausbauen können.
Ob das DBT-Programm in Ihrer aktuellen Situation die passende Therapiemethode ist, klären wir im Rahmen eines persönlichen Vorgesprächs ab.